Zahnbehandlungs-Hypnose

HEILENDE, SCHMERZLINDERNDE & ANGSTLÖSENDE TRANCE FÜR EIN NEUES LEBENSGEFÜHL

Manche Patienten, aber auch Zahnärzte, verbinden Hypnose immer noch mit okkulten Praktiken aus dem Mittelalter oder fragwürdigen TV-Sendungen. Doch Studien zeigen das enorme Potenzial dieses Verfahrens – besonders für die Behandlung von Angstpatienten.

Hypnose ist als ein Zustand inten­siver Aufmerksamkeit definiert, der mit einer erhöhten Reaktionsfähigkeit auf Bilder und Vorstellungen einhergeht. Du befindest dich dabei in einem schlafähnlichen Zustand. Der so herbeigeführte Trancezustand kann zur Suggestion mentaler „Entspannungsorte“ genutzt werden, die sich wiederum positiv auf Dein Emotionsleben und Deine Physiologie auswirken.

Hypnose in der Medizin

Die Vorläufer der modernen Hypnotherapie stammen aus dem 19. Jahrhundert, als der „animalische Magnetismus“ Patienten in einen tranceähnlichen Zustand versetzte und trotz fehlender analgetischer Mittel zum Teil schmerzfreie chirur­gische Eingriffe ermöglichte.

Waren die Anfänge der medizinischen Nutzbarmachung dieser Methode noch weltanschaulich geprägt, folgte etwa ein Jahrhundert später die Integration hypnotischer Verfahren in die Psychotherapie. Mittlerweile ist die wissenschaftlich fundierte Hypnotherapie ein anerkanntes Verfahren unter Psychologen, das sogar bei Nikotinabhängigkeit und psychosomatischen Erkrankungen helfen soll.

Weniger Schmerzen, schnellere Wundheilung

In der Zahnmedizin ist die Hypnose noch nicht sehr weit verbreitet. Obwohl viel Forschungsbedarf besteht, gibt es immer mehr Studien zur Wirkung der Hypnose im Rahmen der Schmerz- und der anxiolytischen Thera­pie. So zeigt eine Metaanalyse der Universitätskliniken Jena und Bern mit insgesamt 2.600 Teilnehmern, dass Patienten nach einer Operation weniger Stress, weniger Ängste und weniger Schmerzen hatten, wenn sie neben der klassischen Versorgung auch Hypnosebehandlungen erhielten. Darüber hinaus beschleunigte sich die Wundheilung.

 

Hypnose bei Angstpatienten

In der Zahnmedizin wird Hypnose vor allem bei Patienten mit Zahnbehandlungsphobie angewandt. Eine randomisierte Studie von Geupel gibt interessante Einblicke in die Effekte des Verfahrens. Dieser Studie zufolge bewerteten die teilnehmenden Angst­patienten die Hypnosebehandlung auf einer Skala von 0 (sehr unangenehm) bis 10 (sehr angenehm) im Durchschnitt mit 8,2. Rund 82 % stellten eine deut­liche oder eine leichte Verbesserung ­ihrer Zahnbehandlungsphobie fest. Eine Verstärkung der Angst fand bei keinem Patienten statt.

 

Auf einer Skala von 0 bis 10, die zur Messung der Angst während der Behandlung herangezogen wurde, betrug der Mittelwert der Hypnosepatienten 2,7, der Mittelwert der Patienten ohne Hypnose dagegen 3,6.

 

Eine Hypnose­behandlung führt also zu einer signifikanten Reduktion der individuellen Angstzustände während der Behandlung.

 

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Studie von Glaesmer et   al. Diesen Effekten liegen neurologische Veränderungen zugrunde, die während der Hypnose entstehen, wie eine Studie der Universität Freiburg zeigte. So rief die Präsentation der phobischen Stimuli starke Amygdala-­Reaktionen im Gehirn hervor, die nach der Hypnose­behandlung nicht mehr festzustellen waren. Die Amygdala ist als Teil des limbischen Systems maßgeblich an der Entstehung von Angst beteiligt.

 

Kombination mit Lokalanästhesie

Zwar verändert Hypnose die Schmerzwahrnehmung des Gehirns, die Gabe eines Lokalanästhetikums ersetzt sie in der Regel aber nicht, obwohl die Dosis deutlich niedriger ausfällt. Das ist beispielsweise bei Schwangeren ­besonders von Vorteil. Patienten mit ­einer Lokal­anästhesie-Unverträglichkeit können allerdings auch unter Hypnoanästhesie und unter Verzicht auf eine örtliche Betäubung behandelt werden.

Hypnose, Vollnarkose oder Psychotherapie?

Häufig findet die zahnärztliche Behandlung eines Angstpatienten unter Vollnarkose, unter einer Sedierung oder unter Lachgas-Gaben statt. Diese Verfahren ermöglichen zwar den Eingriff, beseitigen aber nicht die zugrunde liegende Angst. Deshalb betont die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) in ihrer wissenschaftlichen Stellungnahme die Überlegenheit nicht-medikamentöser Therapien in der Angst­patientenbehandlung.

 

Nur psychotherapeutische Interventionen sollen in der Lage sein, Zahnbehandlungsphobien ursächlich zu therapieren und lang­fristig abzubauen. Besonders wenn die Zahnbehandlungsangst mit anderen psychischen Problemen einhergeht, ist eine psycho­logische Betreuung in der Tat unerlässlich.

 

Die Hypnose kann dabei je nach Fall unterstützend wirken. Bei Patienten mit einer leichten Zahnbehandlungsangst ohne weiteren psychologischen Behandlungsbedarf kann die Hypnose ­allerdings als ­alleinige Maßnahme ausreichen. Durch immer wiederkehrende Erfolgserlebnisse und Lerneffekte des Unterbewusstseins kann es schließlich auch zu einem nachhaltigen Angst­abbau kommen.

Ablauf einer Hypnosesitzung

  1. Vor der ersten Hypnosesitzung findet ein ausführliches Beratungsgespräch stattfinden, um Sinn, Ablauf und Ziel der Hypnose zu klären. Dabei räumen wir gemeinsam mit typischen Befürchtungen wie Erinnerungsverlust, Willenlosigkeit während der Hypnose usw. auf. 

  2. Dann folgt Deine Hypnose-Session. Gezielt begegnest Du während Deiner Trance typischen Situationen, die Ängste, Sorgen, Kummer oder Schmerz in Verbindung mit Zahnarztbehandlungen auslösen, ohne bereits direkt mit der zahnärztlichen Behandlung konfrontiert zu sein. In Hypnose mindern sich automatisch alle negativen und destruktiven Glaubens- und Verhaltensmuster. Deine Schmerzwahrnehmung kann nahezu stillgelegt sein. Über Ankertechniken, Auflösungsarbeit, Suggestionen und Transformationsprozesse kreieren wir ein komplett neues, verändertes inneres Bild zu Deiner Thematik. 

  3. Im Anschuss sammelst Du mit Deiner neuen Ausrichtung beeindruckende Erfahrungen bei Zahnarztterminen, anstehenden Operationen usw. 

Fazit und Ausblick

Bisher machen nur wenige Zahnärzte, Hypnosetherapeuten und Coaches von den Möglichkeiten der Hypnose Gebrauch. Dieses nebenwirkungsfreie Verfahren birgt jedoch viel Potenzial, ist die Akzeptanz der Patienten doch groß und der schmerzlindernde Effekt zuverlässig. Für den Einsatz der zahnmedizinischen Hypnose sind viele weitere Problemfelder wie Würgereflexe, Bruxismus und Prothesenintoleranz denkbar, die bereits jetzt trotz fehlendem wissenschaftlichen Nachweis zum Indikationsspektrum gehören, das die American Society of Clinical Hypnosis laut Jöhren et al. ausweist. Bei ängstlichen Patienten oder bei Patienten, die Wert auf eine besonders angenehme Zahnbehandlung legen, ist Hypnose schon jetzt eine gute Ergänzung des zahnärztlichen Therapieangebots. Spezialkenntnisse zur zahnärztlichen Hypnose und Kommunikation werden in mehrwöchiger Weiter­bildung erworben. Die praktische Übung und Erfahrung für den Zahnarzt bildet den Grundstein der Ausbildung in einem Hypnose-Curriculum.

Zahnbehandlung - Hypnose
2 Std. 30 Min.
€290
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